verschwommener Blick

(sa)
Hach wie wunderschön der Blick zurück. Schwelge immer wieder in Erinnerungen an meine frühere Stelle. Unvergleichbar. Die beste, die ich in meinen zehn Jahren als Lehrerin hatte.

Meine Kolleginnen waren beine Klassenlehrerinnen. Ma. unterrichtete die Ober-, Co. die Unter- und Mittelstufe. Ich hatte ein Teilpensum an beiden Klassen. Unsere Schulzimmer befanden sich auf dem selben Boden im Neubau direkt nebeneinander. Das heisst, von uns drei Frauen waren immer mindestens zwei anwesend. Die Türen waren offen und alle konnten hin und her.
Am Morgen setzte die erste, die in der Schule war Kaffeewasser auf, um unser gegenseitiges Backup genüsslich zu gestalten. Regelmässig schufen wir Gelegenheiten zusammen zu unterrichten, Ideen auszutauschen, Experimente und Projekte durch zu führen. Für mich ein ideales, ja traumhaftes Gefäss, in dem ungezwungener Kompetenztransfer stattfand.

Dann wurde mir nichts dir nichts die eine Klasse geschlossen. Der Integrationsartikel musste in der Gemeinde sofort umgesetzt werden, obwohl für die Regellehrkräfte nicht eine einzige Weiterbildung durchgeführt wurde. Wir drei Frauen entschieden uns ins kalte Wasser der Integrativen Förderung zu springen und die eine Klasse gemeinsam zu Ende zu führen. Doch all unsere Ideen von Zusammenarbeit hatten im Konzept der fusionierten Gemeinden keinen Platz. Irgendwie verloren wir uns gegenseitig und auch uns selbst…

Jetzt erst erinnere ich mich an den Artikel. Und? Soll ich diesen hier jetzt löschen, damit niemand merkt, dass mich immer noch “dieselbe Geschichte” trübt? Ob ich mich nicht entwickelt habe? Nichts verarbeitet, trotz all der angelernten Professionalität? Meine Augen sind seit Tagen entzündet. Mit verschwommenem Blick schaue ich zurück und in die Zukunft der Volksschule. An was sind wir schlussendlich gescheitert? Wie verarbeiten wir diese grauenhafte Strukturlosigkeit in dort herrschenden Kultur? Ich bin immer noch ganz neben den Schuhen. auch wenn ich mich auf meine neue Arbeit konzentriere. Wie wird diese Epoche der unendlichen Reformen wohl in hundert Jahren genannt?

Letzten Samstag bekam ich eine SMS von einer meiner zwei treusten Arbeitskolleginnen überhaupt und einer lieb gewonnenen Freundin. Sinngemäss schrieb sie mir:
“Ich schaue interessiert die Stellenausschreibungen an und habe im BIZ einen Termin. Dazu habe ich die Mappe ‘Alternativen für Lehrpersonen’ reserviert. Nichts ausser der eigenen Familie und frau selbst ist wichtiger. Trag dir Sorge!”

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