(ma)
Er hat mich aufgestellt, der Artikel von Sara Fürstenau. Aus sozialkonstruktivistischer Sicht fühle ich mich bestärkt, meine Schülerinnen und Schüler mit dem ZIL-Lehrmittel zu konfrontieren. Nach fünf Jahren weiss ich inzwischen auch, wo die Schwächen dieses Lehrmittels liegen und wie der Umgang mit dieser Arbeitsform organisiert sein muss, damit auch die Schwächsten der Schwachen optimale Lernvoraussetzungen antreffen und sich auf die bevorstehende Integration ins Berufsleben vorbereiten können.
Beim Lernen und Lehren in heterogenen Gruppen ist es notwendig, dass der Unterricht eine Innere Differenzierung erfährt. Auch in einer KbF mit weniger SchülerInnen als eine Regelklasse vorweist, trifft die Lehrperson eine heterogene Gruppe an.
Definition „Innere Differenzierung“ nach Hanke “Die Lernumgebung an den heterogenen Lernvoraussetzungen und Lernprozessen der SchülerInnen zu orientieren, um auf diese Weise optimale Lernmöglichkeiten für alle Lernenden zu schaffen. Differenzieren meint in dem Zusammenhang, Lernumgebungen „ungleich zu verschieben“ an die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen „passend, bzw. anschlussfähig“ zu gestalten.”
Brügelmann bezeichnet die “Passung von Unterricht und individuellem Entwicklungsstand der Schüler” durch die Lehrperson als Illusion, weil die Diagnosen und Prognosen von Leistungen wenig verlässlich sind und daher der Anspruch auf eine Passung nicht zu erfüllen ist.
Wird die Lehrperson als binnendifferenzierende Massnahme die Qualität oder die Quantität der Aufgaben variieren, besteht die Gefahr, dass sie die Leistungs(un)fähigkeit einzelner SchülerInnen festschreibt.
Als Alternative zur Differenzierung „von oben“ durch die Lehrperson ist deshalb die Differenzierung „von unten“ durch die SchülerInnen selbst zu erwägen. (Brügelmann 2002, S.39 und Hanke 2005,S. 124) Dies würde bedeuten:
• Entscheidungsfreiräume der Lernenden beim Bearbeiten von Aufgaben.
• Individuelle Zugänge entwickeln.
• Wahlfreiheit zwischen verschiedenen Aufgaben.
• Unterschiedliche Formen und Medien der Bearbeitung zulassen.
• Vertrauen, dass SchülerInnen sich sinnvoll beschäftigen, wenn sie zwischen Aufgaben wählen dürfen und nicht „zu leichte“ oder „zu schwierige“ Aufgaben wählen
Dank des ZIL-Lehrmittels ist es mir möglich, auf die mit dieser Forderung verbundenen praktischen und theoretischen Probleme, Widersprüche und Herausforderungen auf eine gute Weise zu reagieren.
In meinem Unterricht wird die Differenzierung “von unten” durch die Schülerinnen vollzogen. Dank des konstruktiven Umgangs mit dem Fehler und der täglichen Erfahrung, dank der Fehler die eigene Lernfähigkeit erfahrbar zu machen, übernehmen die SchülerInnen immer deutlicher die Verantwortung für ihr Lernen.
Im geöffneten, differenzierenden Unterricht stellt sich die Frage, wie das Verhältnis zwischen Anleitung und Eigenaktivität sein sollte. Lange ging man davon aus, dass die wichtigste Aufgabe der Lehrperson darin bestünde, die Lernumgebung zu gestalten. Dies steht aber im Widerspruch mit der Erkenntnis, dass leistungsschwache SchülerInnen eine aktive Unterstützung und Strukturierung brauchen. Auch in unserer KbF ist es so, dass die SchülerInnen unterschiedlich stark unterstützt und strukturiert werden müssen. Trotzdem ist es unser Ziel, sie in kleinen Schritten von der Abhängigkeit zu lösen und sie zu befähigen, sich diese Strukturen und Unterstützung selber zu geben oder zu holen. Da ihre Lernleistung transparent ist und auch für die SchülerInnen verständlich sichtbar gemacht wird, sind sie motiviert selbständig zu werden. Sie realisieren, dass sie sich selbst lieb sein können, indem sie sich ernst und nicht wichtig nehmen.
Unterschiede im Lernverhalten und in den Lernerfolgen sind immer auch auf sozio-kulturelle Bedingungsfaktoren und nicht nur auf Begabungen zurückzuführen. Daher sollten Kinder beim selbstbestimmten Lernen im Unterricht nicht sich selbst überlassen bleiben, sondern Unterstützung erfahren. Diese Unterstützung kann im Unterricht garantiert werden. Jedoch fehlt sie bei einigen SchülerInnen zu Hause, was sich wieder negativ auf den Lernerfolg auswirkt.
Oktober 6, 2009 um 6:57 pm |
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