Zeit

Februar 19, 2011

Wo war ich das letzte Jahr? Wer war ich? Warum war ich?
Ich habe mit einem Arbeitsversuch begonnen. Am Montag werde ich seit langem wieder einmal mit einem Kind arbeiten. Bei allen „Wenn’s“ und „Aber’s“ ist da auch Freude. Ich freue mich darüber, dass ich mich darauf freuen kann.
Sollte es dir, der du das liest nicht so gut gehen, wie du dir das wünschst, dann habe ich dir einen Link. www.thework.com. Zu unterst auf der Seite kannst du die von dir gewünschte Sprache wählen.
Sa geht es dir gut? Wann sehen wir uns wieder einmal? Erst am Hochzeit von ma?
co

verschwommener Blick

März 1, 2010

(sa)
Hach wie wunderschön der Blick zurück. Schwelge immer wieder in Erinnerungen an meine frühere Stelle. Unvergleichbar. Die beste, die ich in meinen zehn Jahren als Lehrerin hatte.

Meine Kolleginnen waren beine Klassenlehrerinnen. Ma. unterrichtete die Ober-, Co. die Unter- und Mittelstufe. Ich hatte ein Teilpensum an beiden Klassen. Unsere Schulzimmer befanden sich auf dem selben Boden im Neubau direkt nebeneinander. Das heisst, von uns drei Frauen waren immer mindestens zwei anwesend. Die Türen waren offen und alle konnten hin und her.
Am Morgen setzte die erste, die in der Schule war Kaffeewasser auf, um unser gegenseitiges Backup genüsslich zu gestalten. Regelmässig schufen wir Gelegenheiten zusammen zu unterrichten, Ideen auszutauschen, Experimente und Projekte durch zu führen. Für mich ein ideales, ja traumhaftes Gefäss, in dem ungezwungener Kompetenztransfer stattfand.

Dann wurde mir nichts dir nichts die eine Klasse geschlossen. Der Integrationsartikel musste in der Gemeinde sofort umgesetzt werden, obwohl für die Regellehrkräfte nicht eine einzige Weiterbildung durchgeführt wurde. Wir drei Frauen entschieden uns ins kalte Wasser der Integrativen Förderung zu springen und die eine Klasse gemeinsam zu Ende zu führen. Doch all unsere Ideen von Zusammenarbeit hatten im Konzept der fusionierten Gemeinden keinen Platz. Irgendwie verloren wir uns gegenseitig und auch uns selbst…

Jetzt erst erinnere ich mich an den Artikel. Und? Soll ich diesen hier jetzt löschen, damit niemand merkt, dass mich immer noch „dieselbe Geschichte“ trübt? Ob ich mich nicht entwickelt habe? Nichts verarbeitet, trotz all der angelernten Professionalität? Meine Augen sind seit Tagen entzündet. Mit verschwommenem Blick schaue ich zurück und in die Zukunft der Volksschule. An was sind wir schlussendlich gescheitert? Wie verarbeiten wir diese grauenhafte Strukturlosigkeit in dort herrschenden Kultur? Ich bin immer noch ganz neben den Schuhen. auch wenn ich mich auf meine neue Arbeit konzentriere. Wie wird diese Epoche der unendlichen Reformen wohl in hundert Jahren genannt?

Letzten Samstag bekam ich eine SMS von einer meiner zwei treusten Arbeitskolleginnen überhaupt und einer lieb gewonnenen Freundin. Sinngemäss schrieb sie mir:
„Ich schaue interessiert die Stellenausschreibungen an und habe im BIZ einen Termin. Dazu habe ich die Mappe ‘Alternativen für Lehrpersonen’ reserviert. Nichts ausser der eigenen Familie und frau selbst ist wichtiger. Trag dir Sorge!“

neu verbunden

Februar 22, 2010

Monate sind vergangen. Kolleginnen sind aus dem Schulalltag ausgestiegen oder krank geschrieben. Ich bin ganz durcheinander und wollte eigentlich nicht in diesem Zustand das Schreiben hier wieder aufnehmen. Aber der Blog hier am Leben zu erhalten, ist mir jetzt doch wichtiger, als zuerst alles hier bei mir in den Griff zu bekommen und aufzuräumen.

Es scheint unmöglich alle Erwartungen von Gemeinden, von Schulleitungen, Lehrkräften und Eltern zu erfüllen. Ich will mir mein eigenes Profil definieren, natürlich im Einklang mit dem IBEM-Leitfaden. Ich will lernen, nicht allen alles Recht zu machen und nein zu sagen. Ich will, dass die Kinder noch mehr ins Zentrum rücken, auf allen Ebenen. Mir kommt es vor, dass ich um ein x-faches mehr Zeit für Zusammenarbeit und Dokumentationen brauche als für die direkte Arbeit mit Kindern. Ich will meine Arbeitszeit erfassen und sie Ende Semester auswerten.

Während meiner Abwesenheit hier im Blog habe ich übrigens gekündigt, Übergaben gemacht, Zeugnisse geschrieben, Elterngespräche geführt, aufgeräumt…
Und auch eine neue Stelle angetreten, Unterlagen zusammen gesucht, ein übersichtliches Dokumentationssystem eingerichtet, aufgeräumt…

Vom privaten Bereich nur soviel, ich habe meine Daten auf dem ThinkPad gerettet, sortiert, importiert und in meinem neuen iMac exportiert. Endlich bin ich wieder mit MACO verbunden ;-)

Wieder da!

November 4, 2009

(co)
Habe definitiv erfahren: Weniger ist mehr! Jetzt bin ich wieder da.
Verlasse seit einer Woche die Schulhäuser mit einem Glücksgefühl.
Ich setze mich in mein Auto und fühle nur Dankbarkeit. Dankbarkeit für die Zeit mit den Kindern, Dankbarkeit für die Gespräche mit den Lehrerinnen. Dankbarkeit hier sein zu dürfen und etwas zu bewirken. Ich fühle mich glücklich.
Ich habe mich definiert. Ich für mich. Ohne dies jemandem zu kommunizieren. Ich koste den Steuerzahler (die Steuerzahlerin natürlich auch!) viel. Ich bin „kostbar“. Ich will nicht nur Kosten verursachen, ich will so arbeiten, dass ich sähen kann. Ich erkenne das daran, dass geerntet werden kann. Es gibt nichts Schöneres als ein Schulhaus im Wissen zu verlassen, dass der Same in fruchtbaren Boden gefallen ist.
Das durfte ich in den letzten Tagen ganz oft erleben. Ich bin willkommen. Die Kinder wollen zu mir kommen. Für sie ist es keine Strafe, es ist ein Geschenk, zu mir kommen zu dürfen. Das verdanke ich den Lehrerinnen.
Ein ganz herzliches Merci an dieser Stelle! Ich säe gerne, wenn der Boden so liebevoll vorbereitet wurde.

Mauern bauen oder Segel hissen?

November 2, 2009

(sa)
Dass wir drei Frauen drei Wochen lang nichts gepostet haben, heisst nicht, dass nichts passiert ist. Im Gegenteil. Unsere Arbeitssituationen und -haltungen haben sich verändert.

In den letzten drei Wochen ist meine Kollegin krank geworden. Bis auf weiteres. Krank vom ländlichen System, das Schulstrukturen niederreist ohne den überstürzt integrierten Kindern, den betroffenen Klassenlehrkräften oder uns Heilpädagoginnen Sorge zu tragen. Das Handeln der Gemeinde macht mich seit Monaten immer und immer wieder traurig. Ich behaupte, die mächtigen Männer haben nicht die leiseste Ahnung, wie es den gerilzten (was für ein makaberer Begriff) Schülerinnen und Schülern geht und was für eine Arbeit wir PädagogInnen leisten, hauptsache „kein Stein bleibt auf dem anderen“ und ihre Namen stehen einmal in der Schüpfener Chronik.

Vor einer Woche ist ein Schüler auf dem Nachhauseweg überfahren worden. Die Eltern setzten sich schon lange ein, dass die Kinder diesen gefährlichen Schulweg nicht mit dem Fahrrad zurücklegen müssen. Ein Kind verlieren, für mich gibt’s nichts Schlimmeres. Und doch fahren die Kinder noch heute mit dem Velo neben der Baustelle am Ort des Grauens vorbei in die Schule.

Ich selbst habe in den letzten Wochen meine Wohnung umgestellt. Durch die äussere zur inneren Ordnung. Meinen Kindern richteten wir das grössere Schlafzimmer ein. Wir Eltern zogen ins kleine Kinderzimmer. Ausserdem habe ich meine Tochter endlich ins Montessori-Kinderhaus angemeldet. Was für ein Privileg.

Gerade denke ich an meinen allerersten Tag der heilpädagogischen Ausbildung zurück. Im Oktober 2003 eröffnete Andreas Schindler seine Begrüssungsrede mit folgendem Sprichwort:

„Wenn starke Winde wehen, bauen die einen Mauern, die anderen hissen die Segel.“

schwizerdütsch u dütlich

Oktober 9, 2009

(co)
I bi so öpis vu müed.
Aber schlafe, nei, i cha nid.
Es isch so e Sach mit em Schlafe.
Kennsch du das au, di Angscht, dass es de nach em Schlafe zspät isch? Dass de nachem Erwache merksch – ups, i hätt gschider „……………“ statt gschlafe.
I wett i chönnt di Haltig:
Gut Nacht ihr lieben Sorgen, l m a A… bis morgen,
und morgen mit dem selben Fleisse, gehts wieder an die selbe …“
emu zmingscht de erscht Teil devo … umsetze.
Ablige u mi em Schlaf übergäh.
Das geit nid.
Werum nid?

I füele mi wine z’starch gschüttleti cholesüürihaltigi Wasserfläsche us Glas, wo zu allem Überfluss no i’d Gfrüüri gleit isch worde….

U ganz schlimm isch z’Wüsse, dass det – grad vor mier – Tür wär.
Tür woni ufschlüsse chönnt, u use chönnt…
We d’Schlüssel kompatibel wäre….

Theorie – Praxis – Theorie – Praxis….
Welte woni mues-sött-wott zämefüege.

Läck isch das
stotzig u steinig,
windig u chalt,
fischter u einsam
uf dem Weg.
Wo sind ier?
Hallo!
Gugus!
I wetti
„ich“ u „ier“
würde „mier“.

Im Milchchäschtli hed’s no Platz

Oktober 7, 2009

co
Eigentlich hat mich das Thema „Autismus“ nicht besonders interessiert. Nun aber ist, da ich einen Vormittag mit dieser Thematik konfrontiert wurde, mein Prä-Konzepte über den Haufen geworfen. Es ist fesselnd. Hoch brisant.

Seit Montagmorgen reiht sich Thema an Thema, eines fesselnder als das andere. Jedesmal komme ich zum Schluss: Genau! Da will ich mich vertiefen. Darüber will ich mehr wissen. Dazu will ich eigene Gehversuche machen. Da finde ich Antworten auf meine Fragen.

Und schon wechselt das Thema. Noch voller Feuer für das eben Gehörte, wende ich mich mit einem weinenden und einem erwartungsvollen Auge dem Neuen zu. Ich muss mich beeilen. Und eh ich die Träne verstohlen wegwischen kann, hat es mich hinein gezogen.

Und wie fühle ich mich dabei?

Wie ein überfüllter Briefkasten. Ich weiss, von wem die dicken Couverts sind. Ich weiss, dass ihre Inhalte mein Herz hören schlagen lassen. Ich brauche Zeit. Ich brauche Ferien. Ich will die Inhalte aus den Couverts nehmen, will sie ordnen (nach welchen Kriterien?), zueinander in Beziehung setzen, will schauen was ich schon weiss und wo eine vertiefte Auseinandersetzung notwendig ist um zu verstehen, wie es gemeint ist, damit ich es anwenden kann, versuchsweise, ansatzweise. Dann alles analysieren und in einer Synthese zu Neuem in mir werden lassen, um letztendlich beurteilen zu können, was mir wo dient. Was ich wo wie einsetzen kann. Ein langer Weg. Ein weiter Weg.

Wie gesagt:
Ich brauche Ferien, denn ich brauche Zeit.

Bis am Freitag wird auch das Milchchäschtli voll sein…

Differenzierung von unten

Oktober 6, 2009

(sa)
Auf Grund des Artikels von Sara Fürstenau aus „Lernen und Lehren in heterogenen Gruppen“ lernte ich die Begrifflichkeit „Differenzierung von unten“ kennen.
Bei der Differenzierung von oben, erfasst die Lehrkraft jedes einzelne Schulkind, bestimmt Lernziele und erstellt individuelle Förderpläne.
Bei der Differenzierung von unten vertraut die Lehrperson den Kindern, dass sie selbst am besten wissen, wo sie stehen, was sie interessiert, wie sie etwas in welcher Zeit erarbeiten oder üben wollen. Anhand eines Videos der Freiarbeit in der Montessori Schule kristallisierten wir Elemente heraus, welche Differenzierung von unten begünstigen. Differenzierung von unten bedingt für Lernende in folgenden Bereichen Entscheidungsfreiräume: Material, Bewegung, Sozialform und Zeit.

Hier noch kurz eine Hand voll Einzelheiten, die ich vom heutigen Weiterbildungstag mitgenommen habe.
• Wieder einmal lernte ich, dass Burn-out-Gefahr besteht, wenn ich für x Kinder und Jugendliche aus x Klassen x individuelle Förderpläne erstelle, d.h. wenn ich nur von oben differenziere.
• Es erwartet niemand, dass ich Differenzierung von unten ab sofort in meinem Unterricht ermögliche oder dass ich Freiarbeit anbiete. Ich darf damit in kleinen Schritten anfangen.
• Mir ist ganz bewusst geworden, dass frau den Kindern nur dann Entscheidungsfreiräume lassen kann, wenn nichts in der vorbereiteten Umgebung dem Zufall überlassen ist. Das heisst, jedes Material erfüllt einen Sinn, baut eine Kompetenz auf und wird strukturiert eingeführt.
• Offenheit bedingt Struktur. Der Forschergeist der Kinder wird in einer wohl durchdachten, sinnvoll vorbereiteten Umgebung angeregt. Ich will Klassen selbst mit Fragen, mit Phänomenen konfrontieren, z.B. Warum ein Schiff schwimmt. Sie Antworten oder Formeln ins Heft abschreiben zu lassen, veranlasst keine konstruktive Konfrontation mit eigenen Präkonzepten. (Bsp. Wie wächst eine Ananas?)
• Anstelle davon, das Zahlenbuch Seite für Seite durch zu arbeiten, können sich Klassen mit dem Mathematikkompass orientieren. So erhalten SchülerInnen und Erwachsene einen Überblick aus den Themen in allen Zahlenbüchern und darüber, was die Kinder schon verstehen und was sie sich noch erarbeiten wollen.

Noch ein letzter Punk, den ich jedoch ein anderes Mal weiter ausführen werde. Heute wünsche ich mir einmal mehr, meine Tochter nicht im Westen Berns in den Kindergarten zu schicken, wo laut einer Studie (2008) das akademische Lernen völlig vom sozialen Lernen übertrumpft wird. Der Montessori-Kindergarten gefällt ihr irrsinnig gut; Leider erscheint er mir unbezahlbar. Doch bevorzuge ich deutlich den Grundsatz „Hilf mir, es selbst zu tun“ dem ungeschriebenen Gesetz des Stärkeren.

Lernen und Lehren in heterogenen Gruppen – Das Lehrmittel

September 27, 2009

(ma)
Er hat mich aufgestellt, der Artikel von Sara Fürstenau. Aus sozialkonstruktivistischer Sicht fühle ich mich bestärkt, meine Schülerinnen und Schüler mit dem ZIL-Lehrmittel zu konfrontieren. Nach fünf Jahren weiss ich inzwischen auch, wo die Schwächen dieses Lehrmittels liegen und wie der Umgang mit dieser Arbeitsform organisiert sein muss, damit auch die Schwächsten der Schwachen optimale Lernvoraussetzungen antreffen und sich auf die bevorstehende Integration ins Berufsleben vorbereiten können.
Beim Lernen und Lehren in heterogenen Gruppen ist es notwendig, dass der Unterricht eine Innere Differenzierung erfährt. Auch in einer KbF mit weniger SchülerInnen als eine Regelklasse vorweist, trifft die Lehrperson eine heterogene Gruppe an.
Definition „Innere Differenzierung“ nach Hanke „Die Lernumgebung an den heterogenen Lernvoraussetzungen und Lernprozessen der SchülerInnen zu orientieren, um auf diese Weise optimale Lernmöglichkeiten für alle Lernenden zu schaffen. Differenzieren meint in dem Zusammenhang, Lernumgebungen „ungleich zu verschieben“ an die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen „passend, bzw. anschlussfähig“ zu gestalten.“

Brügelmann bezeichnet die „Passung von Unterricht und individuellem Entwicklungsstand der Schüler“ durch die Lehrperson als Illusion, weil die Diagnosen und Prognosen von Leistungen wenig verlässlich sind und daher der Anspruch auf eine Passung nicht zu erfüllen ist.
Wird die Lehrperson als binnendifferenzierende Massnahme die Qualität oder die Quantität der Aufgaben variieren, besteht die Gefahr, dass sie die Leistungs(un)fähigkeit einzelner SchülerInnen festschreibt.
Als Alternative zur Differenzierung „von oben“ durch die Lehrperson ist deshalb die Differenzierung „von unten“ durch die SchülerInnen selbst zu erwägen. (Brügelmann 2002, S.39 und Hanke 2005,S. 124) Dies würde bedeuten:
• Entscheidungsfreiräume der Lernenden beim Bearbeiten von Aufgaben.
• Individuelle Zugänge entwickeln.
• Wahlfreiheit zwischen verschiedenen Aufgaben.
• Unterschiedliche Formen und Medien der Bearbeitung zulassen.
• Vertrauen, dass SchülerInnen sich sinnvoll beschäftigen, wenn sie zwischen Aufgaben wählen dürfen und nicht „zu leichte“ oder „zu schwierige“ Aufgaben wählen

Dank des ZIL-Lehrmittels ist es mir möglich, auf die mit dieser Forderung verbundenen praktischen und theoretischen Probleme, Widersprüche und Herausforderungen auf eine gute Weise zu reagieren.
In meinem Unterricht wird die Differenzierung „von unten“ durch die Schülerinnen vollzogen. Dank des konstruktiven Umgangs mit dem Fehler und der täglichen Erfahrung, dank der Fehler die eigene Lernfähigkeit erfahrbar zu machen, übernehmen die SchülerInnen immer deutlicher die Verantwortung für ihr Lernen.

Im geöffneten, differenzierenden Unterricht stellt sich die Frage, wie das Verhältnis zwischen Anleitung und Eigenaktivität sein sollte. Lange ging man davon aus, dass die wichtigste Aufgabe der Lehrperson darin bestünde, die Lernumgebung zu gestalten. Dies steht aber im Widerspruch mit der Erkenntnis, dass leistungsschwache SchülerInnen eine aktive Unterstützung und Strukturierung brauchen. Auch in unserer KbF ist es so, dass die SchülerInnen unterschiedlich stark unterstützt und strukturiert werden müssen. Trotzdem ist es unser Ziel, sie in kleinen Schritten von der Abhängigkeit zu lösen und sie zu befähigen, sich diese Strukturen und Unterstützung selber zu geben oder zu holen. Da ihre Lernleistung transparent ist und auch für die SchülerInnen verständlich sichtbar gemacht wird, sind sie motiviert selbständig zu werden. Sie realisieren, dass sie sich selbst lieb sein können, indem sie sich ernst und nicht wichtig nehmen.
Unterschiede im Lernverhalten und in den Lernerfolgen sind immer auch auf sozio-kulturelle Bedingungsfaktoren und nicht nur auf Begabungen zurückzuführen. Daher sollten Kinder beim selbstbestimmten Lernen im Unterricht nicht sich selbst überlassen bleiben, sondern Unterstützung erfahren. Diese Unterstützung kann im Unterricht garantiert werden. Jedoch fehlt sie bei einigen SchülerInnen zu Hause, was sich wieder negativ auf den Lernerfolg auswirkt.

Ferien

September 27, 2009

(ma)
Es sind die vielen Ferien, um die mich die Nicht-Pädagogen beneiden. Diese 13 Wochen, die ich auf der faulen Haut liegen und das Leben geniessen kann und trotzdem fürstlich bezahlt werde… Ich sage es mir täglich, wenn ich gegen 8 Uhr aufstehe, mein Sporttraining absolviere und mich dann an meinen Schreibtisch setze. Gegen 23 Uhr schliesse ich den Deckel des MacBooks, lege mich ins Bett und lese noch ein paar Zeilen nur so zum Vergnügen.
Diese Woche habe ich zu Hause gearbeitet. Nächste werde ich vermutlich wieder vorwiegend in der Schule sein und die Förderpläne erstellen, Material studieren und mich freuen, dass ich das grosse Los der vielen Ferien gezogen habe… Und in der dritten Woche werde ich mich in der PH Bern weiterbilden. Ich freue mich darauf. Habe soeben 2 Zeitfenster in den letzten 2 Tage damit verbracht, die Texte zu lesen und Zusammenfassungen zu schreiben. Dann habe ich meine Hausaufgaben gemacht und die 4 Unterrichtsbeispiele geschrieben. Ja Leute, mein Beruf ist spannend, interessant und eine Vision wert. Nur die Vision der „langen Ferien“, des „auf der faulen Haut liegens“ hat sich zumindest in meinem ganz individuellen Fall nicht bewahrheitet.
Nun aber werde ich mich den Pendenzen annehmen, die seit anfangs Ferien auf mich warten.


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